Dienstag, 27. Dezember 2011

Theresienstadt



© Theresienstadt-Lexion; aus dem Prominentenalbum der Jüdischen Selbstverwaltung 1944

Das Haus, in dem ich wohne, hat ein Großonkel nicht lange nach dem Krieg hier oben auf die Lichtenberger Burgruine bauen lassen. Das Geld dazu, er selber war durch Kriegsschäden bettelarm, stammte von einer jüdischen Tante. Sie war in Theresienstadt eingesperrt gewesen und hätte die Jahre im Konzentrationslager ohne meinen Großonkel wohl nicht überlebt. Er kämpfte, so es ihm möglich war, von draußen für sie. Aus Dankbarkeit setzte sie ihn als ihren Alleinerben ein.

Woher aber stammte ihr Geld? Ihr Großvater war Baron Moritz von Hirsch auf Gereuth, ein seinerzeit berühmter jüdischer Mäzen und Förderer des Zionismus.

Er wiederum hatte sein Geld vor allem als Financier der Eisenbahnlinie verdient, die Wien mit Istanbul verband. Auf ihr verkehrten die Züge, die unter dem Namen "Orient Express" berühmt wurden.

Mein Großonkel übrigens war deutsch-national, ein führender Vertreter des "Stahlhelms". Er war mit dem militärischen Widerstand gegen Hitler verbunden. Man vergisst heute leicht, dass noch einmal Welten lagen zwischen den strammen Rechten und den Nationalsozialisten.